Silent it is

Anfang 2013, im Alter von 90 Jahren, zog meine Großmutter in ein Altenheim. Bis dahin bewohnte sie alleine eine 100 qm große Wohnung, die sie rund 30 Jahre ihr Zuhause nannte. Das neue Zimmer hatte lediglich 20 qm. Von den vielen Dingen, welche sie über die Jahre angesammelt hatte, konnte sie demnach nur einige wenige persönliche Dinge mitnehmen. Rund drei Jahre nach ihrem Umzug ist meine Großmutter am 17. Februar 2016 verstorben.

„And when the stream
Which overflowed the soul was passed away,
A consciousness remained that it had left
Deposited upon the silent shore
Of memory images and precious thoughts
That shall not die, and cannot be destroyed.“

WILLIAM WORDSWORTH (1770 – 1850)

Spuren des Lebens

Zurück geblieben ist alles das, was ihren Alltag innerhalb der letzten drei Jahre ihres Lebens bestimmt hat. Der Rollator. Die Zahnbürste. Die Kleidung. Die Bilder an der Wand. Der Zeitungsstapel auf dem Tisch. Die Tischlampe auf dem Brokatdeckchen. Spuren einen Lebens, welche in wenigen Tagen verschwunden sein müssen. Der nächste Bewohner wartet schon.

Was bleibt nach dem Tod?

Mit meiner Arbeit habe ich mich auf eine Spurensuche begeben. Einrichtung und Gegenstände, die zurück geblieben sind, fungieren als Zeitzeugen eines Lebens. Durch sie ist meine Großmutter auch über ihren Tod hinaus noch präsent. Die festgehaltenen Momente gehören jedoch im nächsten Augenblick bereits der Vergangenheit an. Das letzte Portrait meiner Großmutter ist eine Arbeit über Vergänglichkeit, Abschied und Erinnerung.